Kyoto - ein Streifzug durch Japans Geschichte
Zu den faszinierendsten Städten Japans gehört ohne Frage Kyoto. Südwestlich von Tokyo befindet sich die Metropole im Landesinneren der Insel Honshu. Neben der malerischen Lage in einem nur nach einer Seite offenen Talkessel begeistern vor allem die zahlreichen Hinterlassenschaften einer rund elf Jahrhunderte währenden Geschichte. Ab 794 residierte die japanische Kaiserfamilie in Kyoto - und mit einigen Unterbrechungen blieb Kyoto für mehr als 1.000 Jahre bis 1869 Japans Hauptstadt. Kein Wunder, dass man beim Blick hinter die Fassade der modernen Millionenmetropole viele Schätze aus vergangenen Tagen als Kaiserstadt entdecken kann. Dazu gehören ungezählte Tempel und Schreine von unschätzbarem Wert. Gleich 16 von ihnen finden sich auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO. Der Kamigamo-jinja-Schrein gehört dazu, einer der ältesten Tempel der Stadt. Durch ein eindrucksvolles, orangefarbenes Tor betritt man diese weitläufige Anlage aus dem 7. Jahrhundert, die bereits bestand, bevor Kyoto Hauptstadt wurde. Ein weiteres Beispiel ist die 794 errichtete Anlage des To-ji-Tempels mit der 57 Meter hohen Pagode, einem der Wahrzeichen Kyotos. Nicht ganz so alt, aber deshalb nicht weniger reizvoll, ist die prachtvoll gestaltete, von einem breiten Graben umgebene Burg Nijo. Ab 1603 regierten von hier aus über 200 Jahre lang die mächtigen Tokugawa-Shogune, die auf dem Areal unter anderem mehrere bezaubernde Gärten anlegten und ihren Palast kunstvoll ausstatteten. Kyoto Gosho, der Kaiserliche Palast, öffnet nur an wenigen Tagen im Frühling und im Herbst offiziell für Besucher, ansonsten nur nach einer aufwendigen Voranmeldeprozedur. Bekannt ist Kyoto jedoch nicht nur für seine historischen Bauten, sondern die Stadt gilt auch als Ursprungsort der Geisha-Kultur. Im Hanamachi des von traditionellen Stadthäusern geprägten Stadtviertels Gion im Osten Kyotos trifft man noch heute auf diese anmutigen Künstlerinnen. Zu Japan gehört überdies die traditionelle Teezeremonie. Kyoto bietet in einigen zeremoniellen Teehäusern die Gelegenheit, einem solchen Ritual beizuwohnen und ganz nebenbei einiges über Blumenkunst, Kalligrafie und Kimonos herauszufinden. Ebenfalls sehr beliebt bei den Japanern: Ashiyu, was übersetzt soviel bedeutet wie „Fußbad". Wer seinen Füßen diese totale Entspannung gönnen möchte, kann das am Bahnhof des westlichen Außenbezirks Arashiyama ausprobieren. Wie sicher nicht anders zu erwarten, beherbergt Kyoto natürlich viele Museen, in denen man sich über Historisches informieren oder Kunstwerke bestaunen kann. Man findet allerdings zudem so manche eher ungewöhnliche Sammlung, wie die des Internationalen Mangamuseums im Stadtzentrum mit rund 200.000 Exponaten. Auch das Sake-Museum, das multimedial angelegte Museum Shigureden und das Kostüm-Museum verblüffen mit Außergewöhnlichem. Und was wäre noch „typisch Japan“? Na klar: Zen-Gärten. Auf solche Kleinodien stößt man in Kyoto vielerorts in Tempel- und Palastanlagen. Eine dieser gärtnerischen Meisterleistungen der Harmonie ziert mit Teich, Brücken, Teehäusern und Pavillon das Areal der Katsura Rikyu, einer kaiserlichen Villa im Westen. In einer Metropole wie Kyoto lässt es sich natürlich auch prima shoppen. Mehr Spaß als in einer der großen Ladenstraßen macht dabei ein Bummel über Märkte wie den Lebensmittelmarkt Nishiki oder das Stöbern durch die kleinen Läden der Kunsthandwerker. Dabei findet man ganz sicher ein originelles Mitbringsel - sei es nun traditionelle Keramik, ein Fächer, ein Kimono oder eine besondere japanische Teesorte.